Ich war ein Schreikind. Ein Scheißkind. Ich drangsalierte alle. In der dritten Klasse wog ich fünfundvierzig Kilo, war einssechzig groß und verprügelte die Sechstklässler. Meine Tante schenkte mir damals kleine Plastiksoldaten. Ich spielte Tag und Nacht mit ihnen. Ich war konzentriert, dachte mir Taktiken aus, ich war kreativ. Ich schnitt ihnen die Glieder ab. Und manches Gesicht. Hier eine Nase, dort ein Knie. Aber die Soldaten fielen nicht auseinander, die Reste ihrer Körper, die Füße und Hände, Unterschenkel und Unterarme, klebten an den Gewehren. Unzerstörbar. Sie wurden bloß unsichtbar. Lautlos verschwanden sie, nach und nach, ohne zu leiden. Sie waren immer noch da, irgendwo im Raum, um mich herum, bereit zum Angriff. Ich schnitt mir selbst die Glieder ab und wurde unsichtbar. Die Augen verabschiedeten sich von alleine. Blinde Soldaten schießen besser, das wusste ich sofort, ihre Kugeln haben Glück. Ich werde in den Krieg gehen. Ich will gestalten und beitragen. Ich bin ein guter Kerl. Keiner kann mich aufhalten, weil mir alles egal ist. Ich kann jedem Angriff ausweichen, denn mir fehlen die Augen, mir fehlen Körperteile. Ich bin unzerstörbar und schön. Keine Kugel trifft mich, kein Mensch sieht mich, kein Mensch liebt mich. Kein Mensch ist so gut wie ich.

 

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